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Zwei Freunde auf dem Weg nach oben
 Marshall & Alexander gastieren in Nürnberg und Bamberg /
 FN-Interview Von Sabine Küssner
 
   "Zwei Stimmen wie flüssiges Gold!" jubelt ihre Plattenfirma. Und wer
   bisher nicht wusste, wie sich flüssiges Gold anhört, kann dies auf
   ihrer aktuellen CD "The Way You Touch My Soul" nachholen. Mit diesem
   Album touren Marshall & Alexander gerade durch Deutschland - zwei
   Künstler, die sich schon lange freundschaftlich verbunden sind, haben
   sich nun auch beruflich gefunden.
   
   Jay Alexander wurde an der Karlsruher Musikhochschule zum Sänger
   ausgebildet, und Marc Marshall liegt die Musik schon im Blut: Sein
   Vater ist der berühmte Entertainer Tony Marshall. Marc studierte
   ebenfalls Gesang und ließ sich darüber hinaus noch in den USA den
   richtigen Feinschliff verpassen. Mit ihren Liedern haben sie den neuen
   Begriff "Emotional Pop" kreiert, eine Richtung, die anzukommen
   scheint: Die Tournee von Marshall & Alexander läuft bestens. ....
   Das Publikum erwartet hochkarätiger Musikgenuss, die beiden Künstler
   dagegen, die unplugged zu hören sind, ein richtiger Kraftakt: "Das ist
   oftmals härter als eine Oper zu singen.", sagte Jay Alexander im
   FN-Interview.
   
   FN: Marc und Jay, auf Ihrer Homepage werden Sie beide als
   "Traummänner" bezeichnet. Sehen Sie das selbst auch so?
   
   Marshall: Wenn man in unserem Alter so tituliert wird, ist das
   natürlich witzig, denn wir sprechen ja nicht unbedingt die
   Teeniefraktion an. Aber so richtig ernst nehmen wir das nicht.
   
   FN: Was schätzen Sie besonders an Jay?
   
   Marshall: Seine Ehrlichkeit, Offenheit, Zuverlässigkeit. Er ist nicht
   nur menschlich, sondern auch beruflich ein guter Freund. Unsere
   Partnerschaft ist mit der eines guten Ehepaares zu vergleichen.
   
   FN: Gibt es auch etwas, das Sie an ihm nervt?
   
   Marshall: Er ist zehn Jahre jünger als ich, und da haben wir schon
   auch mal unterschiedliche Auffassungen. Aber das stört unsere
   Zusammenarbeit nicht. Ich wüsste nichts, was mich an ihm so richtig
   nervt.
   
   FN: Jay, was mögen Sie besonders an Marc?
   
   Alexander: Durch ihn bekam ich die Möglichkeit, Einblicke in die
   U-Musik zu erhalten. Ich konnte mir vieles von ihm abschauen, denn ich
   komme ja von der Klassik. Seine Art, die Dinge anzugehen, seine
   Zielstrebigkeit - das schätze ich alles sehr an ihm. Auch mir fällt
   nichts wirklich Störendes ein - und das würde ich Ihnen auch sagen,
   wenn er gerade nicht neben mir säße.
   
   FN: Sie sind zusammen auf Tournee, treten nächste Woche in Nürnberg
   und Bamberg auf - wie läuft es denn?
   
   Alexander: Ganz toll! Wir freuen uns, dass sich so viele Leute für uns
   begeistern. Bremen, Hamburg, Berlin - wir kommen in Hallen, in denen
   man sonst nur die klassischen High-Class-Performances sieht. Dass man
   uns auf solchen Podien auftreten lässt, uns diese Chance schenkt,
   sehen wir als große Auszeichnung. Es ist ein erhabenes Gefühl, in
   solch ehrwürdigen Stätten zu spielen. Das Publikum ist breitgefächert
   - von der Hausfrau bis zum Professor quasi -, und auch alle
   Altersgruppen sind in unseren Konzerten vertreten. Natürlich ist man
   auch mal müde zwischendurch oder einer hat mal die Grippe. Aber wir
   schaffen es immer wieder, reißen uns auch mal zusammen, um am Abend
   alles zu geben. Wir machen ein Zweieinhalb-Stunden-Programm ohne
   Pause, ohne Netz und Kabel. Das ist oftmals härter als eine Oper zu
   singen.
   
   FN: Wenn man Berichte über Ihre Konzerte liest, stößt man durchweg auf
   einhellige Bewunderung.
   
   Alexander: Es ist schön, so viel Positives zu hören zu bekommen.
   Manchmal ist mir das fast schon ein bisschen unheimlich und ich denke:
   Da muss doch auch mal ein Hammer kommen! Doch der blieb zum Glück bis
   jetzt aus. Wir kennen unsere Stärken und Schwächen jedoch sehr wohl.
   
   FN: Gibt's nach der Show jedes Mal eine Manöverkritik?
   
   Alexander: Das ist sehr wichtig. Und sie ist manchmal schon recht
   scharf. Das gilt sowohl für uns beide als auch für unsere Musiker.
   Aber nur so ist eine Weiterentwicklung möglich.
   
   FN: Sie haben beide Gesang studiert. Was halten Sie von Geschichten
   wie "Deutschland sucht den Superstar"?
   
   Alexander: Es ist gut, dass es solch ein Podium gibt. Die
   Profitierenden sind letzten Endes jedoch nur die Macher und die
   Plattenfirma. Da geht es nur ums Geldverdienen. Was auf den Schultern
   des Siegers lasten wird, ist wahnsinnig. Denn er läuft dann ja mit dem
   Prägestempel "Superstar" auf der Stirn herum. Man muss einmal
   bedenken, wieviel Jahre härtester Arbeit zu einem richtigen
   "Superstar" dazugehören, mit einher gehen natürlich auch die
   menschliche Reife und der Charakter. Die Leute konnten sich in diesem
   Beruf doch überhaupt noch nicht behaupten. Innerhalb weniger Wochen
   werden sie auf etwas gebrieft, das sie noch gar nicht sein können.
   Natürlich gibt es tolle Talente dabei - meine Favoriten Nektarios und
   Judith sind aber leider schon draußen.
   
   FN: Jay, was wünschen Sie sich für die Zukunft?
   
   Alexander: Gesundheit. Das ist die Basis unseres Daseins. Die
   Zufriedenheit kommt, wenn es im Beruflichen stimmt. Und dass man noch
   mehr Leuten, noch mehr Wärme begegnet, gerade in der heutigen Zeit.
   Dass man die Möglichkeit hat, sein Erdendasein so glücklich wie
   möglich verbringen zu dürfen - mit wenig Stress und Traurigkeit.
   
   FN: Marc, Ihr Vater wird am Montag 65. Was wünschen Sie ihm?
   
   Marshall: Dass er so gesund und agil bleibt wie jetzt. Dass er noch
   einige Jahre auf der Bühne stehen kann und das Publkum ihm treu
   bleibt. Er hat ja sonst schon alles erreicht.
   
   FN: Und was sind Ihre Wünsche für sich selbst?
   
   Marshall: Die Gesundheit ist das höchste Gut. Und die wünsche ich
   natürlich auch den Menschen, die ich liebhabe. Wichtig ist, das Beste
   aus sich herauszuholen. Wenn man gesund ist, hat man auch eine Chance
   dazu.
   © Fränkische Nachrichten   -   01.02.2003