Interview mit
Marc & Jay
vor ihrem Auftritt in Trier am 18.01.2003

Fotos: picturepress4u

 

ChamaeleonPress

Sie sind seit dem 4. Januar auf Tournee. 7 Konzerte liegen hinter Ihnen. Wie war bisher die Reaktion des Publikums?

 

Marshall & Alexander, Marc

Super, sensationell. Begeisterungsstürme Standing Ovations, viele ausverkaufte Konzerte. Wir sind überrascht und erfreut zugleich wie viele Menschen zu unseren Konzerten kommen und unsere Musik aufnehmen.

Jay

Trotzdem ist die Erfahrung, dass jedes Konzert anders ist und seine eigenen Gesetze hat. Das Publikum ist nicht immer gleich, aber alle sind sie durch die Bank weg restlos begeistert und wie Marc schon sagte, standing ovation ist schon Pflicht, eine ganz tolle Erfahrung. Das Publikum ist so gemischt, von jung bis alt. Für jeden was dabei, selbst für den absoluten Konzertgänger, der sich nur symphonische Konzerte zu Gemüte führt. Es ist alles da vom einfachen, sag ich jetzt mal, Versicherungsvertreter bis zum Professor oder Arzt. Man trifft alles bei uns. Das ist sehr schön und ein wunderbares Gefühl.

 

ChamaeleonPress

Etliche Konzerte folgen noch. Kann man das Gefühl "alles geben" vom ersten bis zum letzten Konzert halten?

 

Marshall & Alexander, Marc

Müssen wir. In dem Moment wo man auf die Bühne geht ist das immer wieder neu. Der Einsatz bei unserem Repertoire, die Art wie wir sowieso unser Handwerk verstehen, kennt keine Kompromisse. Wir geben immer das Bestmögliche und das jeden Abend, egal ob das jetzt in Cloppenburg oder in der Hamburger Musikhalle ist. Das spielt keine Rolle. Man wird sehen wie der Körper reagiert. Wir haben beide im Moment zu kämpfen. Jay hatte die ersten vier Tage schwere grippale Probleme und nun hat es mich erwischt.

Jay

Es zeichnet sich einfach aus, dass man wirklich sein Handwerk gelernt hat und sich darauf verlassen kann. Wenn man mit der Stimme Probleme hat, sprich ne gewisse Heiserkeit, die Stimmlippen sind etwas angeschwollen, ich sage jetzt mal ein normaler Mensch kriegt beim Sprechen keinen Ton mehr raus, können wir noch singen, weil wir auf eine gute Technik zurück greifen können. Auch schon vom psychologischen her ist das von Vorteil, wenn man weiß, da sind wieder 800 Leute im Saal, denen muss man Qualität zeigen. Eigentlich kann man über das Sprechen keinen Ton herausbringen, aber singen funktioniert immer. Das ist sehr beruhigend zu wissen. Es ist schon eine harte Prüfung für uns beide, zumal wir ohne Mikro, Netz und Kabel unsere Show präsentieren.

 

ChamaeleonPress

Was ist nach der Tournee geplant?

 

Marshall & Alexander, Marc

Die Pläne sind, dass wir an einem neuen Album arbeiten. Es gibt verschiedene Produktionen in die wir involviert sind. Jay macht an der deutschen Oper in Düsseldorf die Entführung aus dem Serail, da singt er den Belmonte. Dann folgt ein Open Air, Fernsehsendungen und der übliche Ablauf den man in diesem Business hat. Interviews, Präsentationen, Gala`s etc. Das geht alles organistorisch weiter, und je besser und erfolgreicher wir sind kann man in Zukunft auch planen.

Jay

Nicht zu vergessen, auch die Ruhepausen sind sehr wichtig, wenn die Zeit auch knapp ist, sie muss genommen werden. Die Stimme ist nicht ewig so belastbar.

 

ChamaeleonPress

Man merkt bei Ihren Auftritten das die Chemie stimmt. Hat sich im Laufe der Jahre eine enge Freundschaft entwickelt?

 

Marshall & Alexander, Jay

Vorher schon. Das was auf der Bühne ist hat ja eine Vorgeschichte. Wir kennen uns beide aus der Hochschulzeit in Karlsruhe, Marc ist ja schon längere Zeit fertig. Wir haben einige Projekte zusammen gemacht, Musicals, Operette, Oper usw. und so entstand eine Freundschaft. Irgendwann kam der Wunsch dann auch mal gemeinsam was zu machen. Ich wollte eigentlich eine Soloplatte aufnehmen, Marc auch und dann hat er spontan gesagt Mensch, das könnte ich doch produzieren. Aber dann kam doch alles ganz anders und ..... Nun sitzen wir hier.

 

ChamaeleonPress

Sie sind beide Profis. Lampenfieber gibt es das?

 

Marshall & Alexander, Jay

Schon. Aber das ist nicht das Lampenfieber wo man nun da sitzt "Oh Gott hoffentlich geht alles klar". Es ist diese gesunde Bauchkribbeln, dieses Gefühl, weil man weiß, dass Publikum ist immer anders, reagiert nicht gleich. Diese Spannung muss da sein, wenn das nicht mehr ist, sage ich mal, wird etwas runtergespielt, was oberflächliches ohne in die Tiefe zu gehen. Dann ist es gefährlich und dem Publikum nicht gerecht. Es zahlt seinen Eintritt und möchte dem zu Folge Leistung und Qualität bekommen. Dem sollte man immer gerecht werden.

Marc

Ich kenne das Gefühl nicht, aber das liegt vielleicht daran, dass ich einfach schon über 30 Jahre auf der Bühne stehe. Ich weiß nicht was Lampenfieber ist. Es macht wahnsinnig Spaß und es geht mir immer besser, wenn ich auf der Bühne stehe. Aber es ist auch ein Unterschied wie man zu dem Beruf kommt.

Jay

Was mich sehr beruhigt bei uns auf der Tour ist, dass wir nicht von irgendeinem Tonmenschen abhängig sind, das heißt ich singe so ungern mit Mikrofon. Ich bin dankbar dass ich so singen kann wie mir der liebe Gott meine Stimme geschenkt hat. Bin mein eigener Toningenieur. Kann über meine Stimme verfügen wie ich will und die Register ziehen. Das gibt mir persönlich viel Sicherheit, als das ich weiß, oh da unten sitzt jetzt wieder jemand, ist er gut oder nicht? Bedient er die Regler richtig, kennt er meine Stimme? - So relaxt wie diese Tour ist, dass ist befreit und locker. Auch der Umgang mit den Musikern untereinander ist ein tolles Feeling und eine angenehme Erfahrung. Man weiß es kann nichts schief gehen und es macht einfach nur Spaß. Es ist jeden Abend eine Freude zu musizieren und das Publikum glücklich zu machen.

 

ChamaeleonPress

"Berühmt" sein hat bekanntlich Schattenseiten. Neid, Intrigen verbergen sich hinter falscher Freundlichkeit. Wie gehen sie damit um?

 

Marshall & Alexander, Marc

Das ist ein Prozess den man lernt, auf den man sich nicht vorbereiten kann.

Jay

Das kann man an keiner Schule lernen.

Marc

Diese Erfahrungen macht man auch, wenn man nicht berühmt, populär ist. Jeder Mensch macht in seinem Leben diese Erfahrung. Als Kleinkind geht es schon los. Entscheidend ist ob man als 18-jähriger große Erfolge feiert oder schon im Leben steht. Diese Branche hat sowieso viele Klippen die man umschiffen muss. Es ist spannend das zu erleben. Ich kenne diesen Zustand durch die Familie, aber ich habe immer gedacht ich wäre darauf vorbereitet, aber ich bin es nicht und jetzt passieren Dinge die mich eben selbst nur angehen. Bisher hatten wir Glück dass die Menschen die uns besuchen und unsere Musik mögen, relativ zurückhaltend sind. Sie uns nicht irgendwie bedrängen oder belästigen, sondern uns respektieren und eine gewisse Wertschätzung haben im Umgang mit uns. Und das tut ganz gut. Ansonsten muss man sehen wie die nächsten Jahre verlaufen, wenn die Popularität steigt werden die Gefahren auf der einen Seite größer, auf der anderen Seite hat man auch Vorteile. Das ist nun mal so in diesem Beruf. Für viele nicht nachvollziehbar aber es hat eben sehr viele positive, aber genauso viele negative Erscheinungen.

Jay

Wie Marc schon sagt man wird darauf nicht vorbereitet, man muss die Erfahrung selbst machen. Ich merke es jetzt, hin und wieder kommt man in Situationen, wo zwei Köpfe zusammen gehen, die tuscheln "das ist doch der und der". Das passiert ob das am Flughafen ist oder gestern hier am Theater. Das ist schon sehr spannend, eine Situation wie gehe ich damit um und man betrachtet sich dann praktisch selbst. Ein Lernprozess. Neid oder Intrigen habe ich noch nicht zu spüren gekriegt. Bisher toi toi toi. Mein Freundes- oder Bekanntenkreis geht normal damit um, weil ich mich persönlich auch nicht verändert habe. Ich denke mittlerweile mit 30 Jahren ist der Charakter so stark und gefestigt und nicht mehr als bei einem 20-jährigen, der auf die große Bühne der Welt kommt. Dem zieht es vielleicht eher den Boden unter den Füßen weg. Man weiß schon um was es geht und das ist auch ein großer Unterschied.

 

ChamaeleonPress

Jay hatten sie schon immer den Wunsch Sänger zu werden?

 

Marshall & Alexander, Jay

Nee, überhaupt nicht. Ich hatte immer Lust zu musizieren. Früher war das eigentlich so wenn's mir schlecht ging habe ich gepfiffen oder gesungen, etwas mit Musik gemacht. Danach ging es mir gut. Ich hatte mit Blasinstrumenten angefangen und mit 16 kam die Vorliebe dann und die Entdeckung meiner Stimme. Das Singen wurde mein Hobby und hatte dann das Glück das Hobby zum Beruf zu machen. Heute bin ich froh und dankbar dass es so ist. Ich singe für mein Leben gern.

 

ChamaeleonPress

Marc wie war das bei Ihnen?

 

Marshall & Alexander, Marc

Ich wollte eigentlich immer Sänger werden. Wie gesagt seit 32 Jahren stehe ich auf der Bühne, für mich gab es nie eine Alternative. Ich wusste zwar nicht richtig wie, wo und was aber das ich auf die Bühne will war immer klar. Es gab nie einen Weg daran vorbei.

 

ChamaeleonPress

Nun ist Musik nicht alles im Leben. Haben Sie noch ein Hobby?

 

Marshall & Alexander, Marc

Musik ist für mich schon mein Beruf sagen wir mal so der hat viele Facetten. Das geht ja nicht nur um die Ausübung der Musik, sondern des Singens. Ich interessiere mich für alles was dieser Beruf hergibt, ob es jetzt die Produktionsseite ist oder die Herstellung einer Veranstaltung. Das Komponieren, das Texten es gibt eigentlich nicht viel Platz in meinem Leben für andere Dinge. Das ist ganz begrenzt, weil ich leb das schon den ganzen Tag. Man kann ja heute, wenn man etwas intensiv macht, sich auch kaum mehr davon lösen, weil im Radio, in den Medien, egal man wird immer damit konfrontiert und man merkt dass man ein Teil davon ist, beschäftigt man sich auch entsprechend intensiv damit. Hobbys in dem Sinn gibt es nicht für mich. Musik ist schon mein Leben.

 

ChamaeleonPress

Texten und komponieren sie auch für andere Künstler?

 

Marshall & Alexander, Marc

Früher ja. Wenn ich überhaupt dazu komme in Ruhe was zu machen ist es für Marshall & Alexander.

 

ChamaeleonPress

Jay, haben Sie ein Hobby?

 

Marshall & Alexander, Jay

Lacht....oh ja einige. Wie gesagt da ich mein Hobby zum Beruf machen konnte ist ein Hobby weniger und dazu sind viele andere dazu gekommen. Ich habe eine Vorliebe für alte Autos. Das ist für mich unheimlich schön so diese Veteranengeschichte. Dann fahre ich leidenschaftlich Motorrad. Das ist super. Ja.... schon der Genussmensch, gerne essen gehen. Wobei, dass würde ich nicht als Hobby betrachten.

 

ChamaeleonPress

Jay, was macht Sie traurig?

 

Marshall & Alexander, Jay

Das ist insofern schwer zu sagen, das ist einfach situationsabhängig. Manchmal macht es mich traurig, wenn ich über mich selbst enttäuscht bin, Dinge nicht erfülle, die ich mir vorgenommen habe. Oder wenn ich das jetzt sehe was momentan in der Welt passiert, diese ganze Kriegsspielereien. Das müsste eigentlich nicht sein, wobei das nicht wirkliche Traurigkeit ist, sondern eher Unverständnis über erwachsene Menschen die eigentlich das Leben kennen und solche Dinge machen. Es gibt so viele Momente die einen traurig machen, das kann ich so speziell gar nicht sagen. Ich bin ein Mensch der sehr nah am Wasser gebaut hat. Wenn eine Situation eintritt die mich traurig stimmt, dann weine ich auch sehr schnell. Da bin ich sehr zerbrechlich und sehr weich. Hilft mir aber auch und über das Weinen verarbeite ich diese Emotionen.

 

ChamaeleonPress

Ist auch kein Makel!

 

Marshall & Alexander, Jay

Ich denke nicht.

 

ChamaeleonPress

Marc, was war bisher Ihr schönstes Erlebnis?
 

Marshall & Alexander, Marc

Eindeutig die Geburt meiner Kinder, bei der ich beide Male dabei war. Das war bisher das beeindruckendste Erlebnis was ich hatte. Deswegen habe ich vorhin auch bei den Hobbys nicht groß was dazu gesagt. Hobbys sind für mich Sachen die man so irgendwie mal macht. Wenn ich sagen müsste was nun emotional einen großen Platz in meinem Leben hat dann sind es schon die Kinder und die Familie.

 

ChamaeleonPress

Zum Schluss einige Fragen die Sie mir bitte spontan beantworten.
Jay, Lügen?

 

Marshall & Alexander, Jay

Schlecht. Lässt sich manchmal nicht vermeiden.

 

ChamaeleonPress

Politik?

 

Marshall & Alexander, Jay

Muss sein, leider.

 

ChamaeleonPress

Freunde?

 

Marshall & Alexander, Jay

Wichtig, aber wenige.

 

ChamaeleonPress

Marc, Geld?

 

Marshall & Alexander, Marc

Regiert die Welt.

 

ChamaeleonPress

Politik?

 

Marshall & Alexander, Marc

Darauf kann ich nicht antworten. Da fällt mir nichts mehr ein. Es hat eine negative Entwicklung angenommen, generell weltweit.

 

ChamaeleonPress

Ausländerfeindlichkeit?

 

Marshall & Alexander, Marc

Unsinn, überflüssig.

 

ChamaeleonPress

Marshall & Alexander?

 

Marshall & Alexander, einstimmig

Schön das es das gibt.

 

 

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